Tagesberichte 12. bis 16.01.2012

Posted by on 17. Januar 2012

12.01.2012:
Nach etwas längerer Nachtruhe (wegen “Warm” und heftiger Mückenattaken nicht unbedingt mit mehr Schlaf) und Frühstück begann nun das Aus- und Aufräumen der Autos, speziell der Fahrzeuge die in Nouakchott verblieben.
Von diesen wurden im Laufe des Tages immer mehr abgeholt. Mit einem Teil der Kombis (die wir auch mit zur senegalesischen Grenze nehmen werden), fahren wir im Konvoi unter Polizeischutz zu Besichtigung des AEPN Kinderheimes in Nouakchott.
Das Viertel Nouakchotts, in dem unsere Auberge steht, macht einen außergewöhnlich aufgeräumten und sauberen Eindruck, im Gegensatz zu dem, was wir in den letzten Tagen zu sehen bekommen haben.
Auf dem Weg zum Kinderheim passieren wir auch andere Viertel und stellen dabei fest, daß dies auch in Mauretaniens Hauptstadt nicht überall so ist. Das gilt auch für die unmittelbare Umgebung des Kinderheimes.

13.01.2012:
Aufbruch vor dem Morgengrauen, teilweise auch ohne Frühstück, und Abfahrt aus Nouakchott, wie gewohnt im Konvoi.

Gepäck und Teilnehmer wurden pressbündig auf 8 Kombis, 1 Limousine, 1 VW Bus und einen MB100 verteilt, darunter auch unser Wüstenbenz.
Da die Mauretanier grundsätzlich keinen Mercedes-Kombi fahren wollen (verstehe, wer will)n werden diese nach Mali weiterverkauft.
Unserem treuen Knipex-Benz wiederfährt aber exklusiv ein anderes Schicksal: Ein Tourteilnehmer hat ihn zum Höchstpreis aller Kombis (!) erstanden (das Geld geht natürlich an den AEPN) und wird mit diesem Auto weiter nach Mali und Gambia fahren und somit die nächsten 3 Wochen weiterhin auf Achse sein.

Die Piste zur Grenze ist in sehr schlechtem Zustand mit vielen tiefen Löchern. In den Händen des neuen Inhabers (wir sind mit 2 weiteren Tourteilnehmnern nur noch Beifahrer) und bis unters Dach vollgepresst mit Gepäck und nun auch mit Dachgepäckträger muß der Benz bis zur Grenze schwer leiden.
Kurz vor Erreichen der Grenze zum Senegal werden innerhalb kürzester Zeit beide vorderen Domlager der Federbeine “zerschossen” (zuhause vor der Fahrt noch erneuert!).
Die Reparatur erfolgte nicht zuletzt wegen des effektiven Einsatzes der Wasserpumpenzange KNIPEX Cobra 250 im Rallye-Echtzeittempo innerhalb weniger Minuten.

Der Grenzübertritt dauerte erwartungsgemäß bis zum Abschluß der Verhandlungen über die finalen Unterstützungssummen für die Meinungsbildung der Zöllner etwas länger, so daß wir erst am Abend, dafür aber mit unserem Benz im Resort Zebrabar in St.Louis im Senegal ankamen.
Bei dem ein oder anderen gut gekühlten Gazelle-Bier wurde hier nun der Fahrteil der Rallye abgeschlossen.

14.01.2012:
2-stündige, gemächliche Bootsfahrt in den landestypischen, untermotorisierten und zumeist nicht ganz dichten Piroggen nach St.Louis zur Stadtbesichtigung.
St.Louis war früher die Hauptstadt ganz Westafrikas und lässt heute noch erahnen, wie es zu Zeiten der französischen Kolonialherrschaft hier wohl ausgesehen hat. Leider hat der Zahn der Zeit und die grundsätzlich andere Lebensauffassung der Afrikaner hier deutliche Spuren hinterlassen.
Gegessen haben wir superlecker in einem netten und sehr ordentlichen Restaurant.
Auf der Rückfahrt wurden wir zweimal aufgrund Treibstoffmangels schiffbrüchig, wurden jedoch nach freier Treibfahrt auf dem Senegal-Fluß mit 3 Litern Gemisch in ehemaliger Plastik-Wasserflasche gerettet.
Am Abend erwartete uns dann die tolle Barbecue-Party mit Live-Musik und Feuerschlucker als offizielles Ende unserer Tour.

15.01.2012:
Abhängen und totales Entspannen im Resort Zebrabar (www.zebrabar.net).
Barfuß durch den Sand, Schwimmen im Senegal-Fluß, leckeres Essen und Nichtstun.
Nur die neuen Besitzer des ehemaligen KNIPEX-Benz waren schwer damit beschäftigt, die Weiterfahrt vorzubereiten. Hierzu wurde der Benz durch das Entfernen aller Sponsorenaufkleber “neutralisiert” und überdies gewaschen.

16.01.2012:
Der Tag des Abschieds ist da.
Der Kampf beginnt am Morgen mit dem Verstauen der Restausrüstung in den Reisetaschen. Es stellt sich die schwierige Aufgabe, den Reissverschluß zu zu bekommen, obwohl da jetzt noch ein Zelt, ein Benzinkocher, Geschirr und sonstiges “Gerödel” mit hinein müssen.
Auch diese Aufgabe wurde schließlich gemeistert.

Nach Abschied von den anderen Teilnehmern, begann nun das letzte Teil-Abenteuer unserer Reise: Die Fahrt per Taxi zum Flughafen nach Dakar.
Zur Verdeutlichung einen Frage aus der senegalsischen Führerscheinprüfung: “Sie nähern sich innerhalb einer geschlossenen Ortschaft mit Tempo 110 km/h einer die Straße kreuzenden Ziegeherde an einer Bushaltestelle, an der gerade Passagiere ein- und aussteigen. Wie verhalten Sie sich?” Richtige Antwort: “Ich mache die Ziegen und die Busfahrgäste durch wüstes Hupen auf meine rasante Annäherung aufmerksam und setzte die Fahrt mit unverminderter Geschwindigkeit fort!”
Auf diese Weise ging es die ersten 250km recht flott vorwärts und wir dachten viel zu früh am Flughafen anzukommen. Dann kam jedoch der Stadtverkehr in Dakar.
Leider ist dies mit Worten nicht zu beschreiben und mit mitteleuropäischem Verkehrsverstand nicht zu beschreiben. ZUm Verständnis empfehlen wir den Film “Kinshasa Sympony”. So isses – genau so! Unglaublicher Lärm, Dreck und Abgase, alles Leben findet am Straßenrand statt – und unser Benz wurde in Deuschland wegen mangelnder Feinstaubverträglichkeit ausgegrenzt – verkehrte Welt.

Am Flughafen angekommen hatten wir das Gefühl, ganze Schachteln filterloser Zigaretten geraucht zu haben.